Der Begriff Gestalt
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| Christian von Ehrenfels, Entdecker der Gestalt |
Diese Auffassungsweise führt weg vom Quantitativen, hin zum Qualitativen. Deutlich wird dies z.B. an einer Symphonie: Sie ist mehr und etwas anderes als die bloße Summe ihrer Töne. Auf solche „Gestaltqualitäten“ wies 1890 erstmals der österreichische Philosoph Christian von Ehrenfels hin. Er löste damit eine geistige Revolution aus, die die Einseitigkeit und Ergänzungsbedürftigkeit des herkömmlichen Begriffs von Wissenschaftlichkeit deutlich werden ließ. In seiner Nachfolge haben besonders die Gestalttheoretiker Wertheimer, Köhler, Koffka und Lewin in unzähligen empirischen Versuchen die Gültigkeit des Gestaltansatzes nachgewiesen und vor allem auf die Psychologie und Pädagogik angewandt. Dennoch blieb das Blindsein gegenüber ganz-heitlichen und qualitativen Aspekten gesell-schaftlich vorherrschend. Erst heute werden die Folgen des atomistischen, spezialistischen und mengenorientierten Denkens und Handelns in der Gefährdung von Mensch und Natur drastisch sichtbar. Gestalten sind unmittelbar gegebene Natur-phänomene.
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Sie sind jedem Menschen wie selbstverständlich zugänglich. Dadurch hat die Gestalt- therapie keinen hohen Aufwand an Hypothesenbildung nötig; dies wirkt sich günstig aus auf die Realitätsnähe des Verfahrens und auf die Sicherheit in der Orientierung. Im Verlaufe einer gestalttherapeutischen Sitzung kommt z.B. jenes Erleben und Verhalten in den Vordergrund, das für den Organismus im Moment am Wichtigsten ist; es bildet sich eine „Gestalt“ heraus; vielleicht als Körperbewegung oder Gestaltung in Ton, die das gegenwärtige Gefühl widerspiegelt und es durch dessen Ausdruck aber auch verändert.
Philosophische Ausrichtung
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| Martin Buber, Philosoph der Beziehung |
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| Begegnung |
Tiefenpsychologische Grundlagen

Neben der zwischenmenschlichen Begegnung und Kommunikation wird in der Gestalttherapie auch die psychische Integration des Einzelnen berücksichtigt. Bei der diagnostischen Erhellung wird gefragt nach unentwickelten, unterdrückten, gehemmten und verdrängten Persönlichkeit- santeilen und nach Mechanismen, die die Blockierung im Hier-und-Jetzt aufrechterhalten. Mit der Bemühung um das bewusste Gewahrwerden von unbewusst wirksamen Motiven erweist die Gestalttherapie ihre tiefenpsychologische Fundierung. Doch die Gestalt-Methodik ist direkter, flexibler und gründet in einem ganzheitlicheren Verständnis.
Gestalttherapie vollzieht sich nicht nur auf der rational-sprachlichen Ebene, sondern auch auf der Schicht des Bild-Bewusstseins, z.B. im Traum. Hier erscheinen widersprüchliche Strebungen innerhalb der Persönlichkeit des Einzelnen in bildhafter und personifizierter Gestalt.
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Vielleicht sind die dabei sichtbar werdenden „inneren Tyrannen“ im Vergleich zu äußeren noch mächtiger und heimtückischer, weil sie unmittelbar das Ich besetzt halten, für unbegründete Angst, Schuld- und Schamgefühle, für Gehemmtheit und Verzerrung der Außenwelt- Wahrnehmung sorgen. Der Therapie- Prozess zielt ab auf Entschärfung des Konflikts durch Anordnung der Gegensätze um eine personale Mitte; das „Einswerden mit sich selbst“ macht klarer und freier nach innen und außen.
Bewährte methodische Möglichkeiten für die Therapie solcher dissoziativer Gestalten bestehen z.B. in der Arbeit mit Nachtträumen, aber auch mit imaginativer Symbolisation im Bewusstseinszustand des Tagtraumes. Während der Klient die Traum-szenen und die damit verbundenen Gefühle erlebt, führt er darüber „live“ mit dem Therapeuten Dialog. Solches Vorgehen ist aber auch auf der Ebene des Körpers möglich. Denn traumatische Erfahrungen, fremdkörperhafte Normen und Denksysteme äußern sich auch als Verspannung, Verkrampfung und als Auffälligkeiten in den Bewegungsabläufen. Der Einzelne war vielleicht als Kind gezwungen, einen „Charakterpanzer“ (Wilhelm Reich) zu entwickeln, der sich nun in der Blockierung bestimmter Muskelpartien und in der Deformierung der Körperhaltung und -bewegung ausdrücken kann. Die Auflösung ermöglicht das Erleben ursprünglicher Lebendigkeit und Lebensfreude.