Gestalttherapie mit Kindern und Jugendlichen

In der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen finden die Konzepte des Gestaltansatzes erfolgreiche Anwendung in einer Vielzahl von Bereichen: in der (psycho)- therapeutischen und psychiatrischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, in der Beratung, im (schul)pädagogischen und erzieherischen Bereich, in unterschiedlichsten sozialpädagogischen oder kirchlichen Tätigkeitsfeldern, sowie in Gesundheitsberufen wie Ergotherapie, Motopädagogik, Logopädie u.a.

Im klinischen Bereich hat sich Gestalttherapie vielfach bewährt bei der Behandlung verschiedenster psychischer und sozialer Auffälligkeiten und Störungen wie ADHS, Ängste, Depressionen oder Trauma, der Bewältigung von Belastungssituationen und Krisen oder schulischen Schwierigkeiten, Lernstörungen, und Prüfungsangst. In der psychotherapeutischen Wirksamkeitsforschung erzielt die Gestalttherapie beachtliche Ergebnisse für eine Reihe von Störungsbildern.

Der Ansatz beschränkt sich jedoch nicht auf die Behandlung von Symptomen. Die Vorgehensweise des Gestaltansatzes zielt darauf ab, Kinder und Jugendliche grundlegend bei ihrer Entwicklung und Selbstentfaltung zu begleiten, sie wieder in Kontakt zu bringen mit ihrer ursprünglichen Lebendigkeit, ihre Kontaktfähigkeit, Sinnes- und Gefühlswahrnehmung zu erhöhen und ihnen wachstumsorientierte, positive Erfahrungen zu ermöglichen. Kinder und Jugendliche kommen wieder in Kontakt mit sich selbst, entwickeln ein besseres Gefühl für sich selbst, für ihre Gefühle, Bedürfnisse, Impulse und Grenzen, sie finden Möglichkeiten, ihre Bedürfnisse und Gefühle in stimmiger Art und Weise zum Ausdruck zu bringen, in einer angemessenen Weise in Kontakt und Beziehung zu anderen zu treten und die Grenzen und Gefühle und Bedürfnisse Anderer zu würdigen.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Beziehung zwischen Therapeut/ Berater und Kind oder Jugendlichem. Sie ist geprägt von Wertschätzung, Empathie, einem Einlassen auf die Situation und ein Einschwingen auf die Gefühlswelt und Erlebenswelt des Kindes/des Jugendlichen. Kinder können sich verstanden und gesehen fühlen, ihr Erleben im Hier- und Jetzt erhält Raum und Würdigung und sie können es als bedeutsam erfahren. Das Kind findet Unterstützung, sich selbst zu entdecken und sich in seiner Individualität zu entfalten. Der Therapeut/Berater ist mit seiner Person, seinem Erleben präsent und bringt sich als Person mit spezifischen Gefühlen, Bedürfnissen und Grenzen in die Beziehung ein. In diesem lebendigen Kontakt und auf dem Boden einer tragenden, wertschätzenden Beziehung lernt das Kind/der Jugendliche auch konstruktiv mit Grenzen und Frustrationen umzugehen.

Kindergestalttherapie lebt von lebendigem Kontakt und Beziehung, vom gemeinsamen Entdecken und direktem Erleben. Es geht nicht in erster Linie darum, über Probleme oder schwierige Situationen zu reden. Erlebnisse oder Situationen werden kreativ und spielerisch in den gemeinsamen Raum geholt, neue Erfahrungen und Handlungsmöglichkeiten können entstehen. Der Gestaltansatz verfügt hier über ein vielfältiges Repertoire an kreativen Medien und spielerischen

Interventionen: Farben, Ton, Handpuppen, Imagination und Phantasiereisen, therapeutische Geschichten, Sandspiel, Rollenspiel, Bewegung, Brettspiele uvm. Auch andere Medien, zu denen das Kind/der Jugendliche guten Zugang hat (z.B. ein bestimmter Song, ein Lieblingstier oder ähnliches), eignen sich gut, um das Selbstgefühl des Kindes zu stärken, Probleme, (innere) Konflikte oder belastende Lebensereignisse spielerisch zu verarbeiten und neue, stimmigere Möglichkeiten des Seins entwickeln.

Neben der Arbeit mit dem Kind/Jugendlichen wird auch das System als Ganzes in den Blick genommen. Begleitende Elterngespräche unterstützen Eltern, die Gefühle, Bedürfnisse und auch die Symptome des Kindes neu zu verstehen und für alle Beteiligten stimmige Formen des Miteinanders zu entwickeln.